.

Archiv 2017.

Rechenschaftsbericht des Vorstandes an die Jahreshauptversammlung des SSHG Zwickau e.V. für das Jahr 2017

Die Gemeinnützigkeit wurde dem Verein durch das Finanzamt Zwickau für den Zeitraum bis 2017 wieder zuerkannt.

Liebe Vereinsmitglieder, werte Anwesende und Gäste,

auch 2017 konnte in unserem Verein die erfolgreiche Arbeit der nunmehr 14 Jahre seit der Neugründung 2003 weitergeführt und ausgebaut werden.

Wesentliche Stützen hierbei sind immer wieder unsere GruppensprecherInnen, die in ihren Gruppen in Zwickau, in Werdau, Crimmitschau und Crinitzberg eine hervorragende und nachhaltige Arbeit leisten. An dieser Stelle möchte der Vorstand all diesen Verantwortlichen und allen anderen Beteiligten aufrichtig Dank sagen. Ohne den Einsatz unserer GruppensprecherInnen, ihrer Stell-vertreter und der Gruppenmitglieder selbst wären wir heute als Suchthilfeverein nicht das, was wir sind, hätten nicht stabile Mitgliederzahlen und wären in der Stadt und im Landkreis Zwickau nicht ein gefragter Ansprech- und Gesprächspartner für Betroffene, Angehörige und weitere interessierte Bürger geworden.

Ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Ziel der Arbeit unserer Gruppen, ist die (Wieder)Herstellung der Fähigkeit des Betroffenen, normale Beziehungen in seinem Lebensumfeld aufzubauen, genauso wie es in unseren Gruppenstunden „vorgelebt" wird. Was hier in der Gruppe wieder neu gelernt wird – Gemeinschaftsgeist, Zuhören-Können, Toleranz, gegenseitige Achtung und Rücksichtnahme – das verhilft auch im persönlichen Umfeld wieder zu mehr Selbstbewusstsein, zur Kenntnis über die eigenen Fähigkeiten und vorhandene Stärken, aber auch über noch bestehende Defizite. Die „zufriedene Abstinenz", die jeder für sich anders definieren kann und sollte, ist und bleibt das Ziel all unserer Bemühungen.

Eine von vielen unsere Mitglieder als selbstverständlich angesehene Aufgabe ist es, den in der Satzung formulierten Abstinenz-Gedanken nicht nur selbst zu leben, sondern diesen auch in die Öffentlichkeit zu tragen und damit andere Betroffene zu einem „Leben ohne Stoff" zu motivieren.

Beispiele dafür gibt es viele: Im Asklepios-Fachklinikum Wiesen sind unsere Gruppenvertreter immer wieder gern gesehene Gäste, verbindet uns doch mit dieser Klinik eine langjährige positive Zusammenarbeit. Die Auswirkungen dessen sind auch bei uns im Verein deutlich sichtbar: Viele der „Neuzugänge" in unseren Gruppen sind durch unsere Vorstellungen in Wiesen dazu angeregt worden, nicht irgendeine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, am Ende sind sie bei uns im Verein SSHG „hängengeblieben". Auch im Psychiatrischen Fachklinikum in Rodewisch sind unsere Vertreter regelmäßig zu Gruppen-vorstellungen präsent. Die Teilnahme an Patienten- sowie Gesamttreffen der regionalen Kliniken und anderer Selbsthilfeeinrichtungen wie der KISS Zwickau, dem Verein „Gesundheit für alle e.V." Zwickau und u.a. belegen ebenso die kontinuierliche Arbeit unserer Vereinsmitglieder. Auch dafür nochmals den herzlichen Dank des Vorstands.

Öffentlichkeitsarbeit funktioniert nicht von allein, sie ist mit viel Zeitaufwand, geistigen Anstrengungen und natürlich materiellen Aufwendungen verbunden. Wir blicken auch 2017 in diesem Gebiet auf eine erfolgreiche Arbeit zurück: Die Teilnahme von Vereinsmitgliedern an Veranstaltungen wie dem „Tag der Gesundheit und Behinderten" in der Stadt bzw. dem Landkreis Zwickau ist für uns ebenso selbstverständlich wie der Besuch der alljährlichen Tagung der Gesellschaft gegen Alkohol- und Drogengefahren (GAD) in Dresden oder Veranstaltungen, die die Krankenkassen anbieten, in diesem Jahr z.B. in Waldheim und Dresden.

Der „Alkohol-Parcours" hat sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil des Crimmitschauer Schulalltags entwickelt – auch 2017 waren wir mit Vereinsvertretern bei dieser Präventionsveranstaltung dabei – immerhin schon zum 11. Mal. Wir wollen auch den immensen Aufwand nicht vergessen, den wir als Verein in eigener Verantwortung für unsere Mitglieder bewältigen. So haben wir auch 2017 wieder eine Weiterbildung in Dresden durchgeführt, an der insgesamt 17 Vereinsmitglieder teilgenommen haben. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden durch die Teilnehmer auch an ihre Gruppenmitglieder weitergegeben.

Mit all dem ist es unserem Verein gelungen, die Suchtproblematik in ihren verschiedenen Facetten erfolgreich in die Öffentlichkeit zu tragen, das Thema einem breiten Personenkreis nahezubringen. Ein wesentlicher Teil dieser präventiven Maßnahmen wurde durch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter Frau Perlick, Frau Zinke und Frau Ullmann sowie Herrn Rack und Herrn Lange erbracht. Sie sind es, die den „Laden am Laufen halten", sie sorgen dafür, dass es uns in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen ist, ein niedrig-schwelliges Angebot für Gesprächssuchende und noch Zögernde bereitzustellen. Internet- und Presseartikel sowie andere Präventionsunterlagen wurden durch diese Vereinsmitglieder erstellt und angefertigt.

Diese und andere Personen sind es, die in Einrichtungen des Landkreises und der Stadt Zwickau unterwegs waren und dort über die Alkoholkrankheit und die Wege aus der Sucht berichteten. Weil Selbsthilfe-Projekte wie „Tauris" seit Jahren nicht mehr finanziert werden, mussten wir als Verein andere Wege suchen und finden, das bisher Erreichte zu erhalten und das überaus wichtige und gut angenommene Unterstützungsangebot „Vormittags-Treff" in unserem Verein weiterzuführen. Das sollte auch mal erwähnt werden: Solch ein Angebot bieten wir als einzige Selbsthilfeeinrichtung in ganz Mittelsachsen. Bisher ist uns das sehr gut gelungen – über eine Weiterführung auch in der Zukunft müssen wir allerdings immer wieder neu nachdenken.

Um von der Sucht wegzukommen, ist das Gruppengespräch für viele Betroffene der erste und auch wichtigste Schritt nach Entgiftung und/oder Entwöhnung. Wir wissen, dass zu einem sinnerfüllten Leben allerdings mehr gehört als allein diese Gesprächsrunden. Hier zählt die Rückkehr in die Sicherheit der Familie, in die Arbeitswelt, die Fähigkeit und Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt wieder aus eigener Kraft zu bestreiten, ebenso dazu wie die Nutzung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, ob nun auf sportlichem Gebiet, in der Freizeit oder im gesellschaftlichen Umgang mit anderen Menschen - Voraussetzungen, um zu einer „zufriedenen Abstinenz" zu gelangen.

Wenn es wieder einmal einer unserer Gruppenbesucher geschafft hat, seinen Arbeitsplatz zu erhalten oder einen neuen zu finden, wenn er seinen ihm wegen Fahren unter Alkohol entzogenen Führerschein wieder bekommen hat, wenn wir erfahren, dass ihm/ihr das Leben in der Familie wieder Spaß macht, dass vielleicht ein altes Hobby wiederentdeckt wurde – alles Dinge, die Positives in das Leben des Betroffenen bringen, dann macht uns das natürlich auch stolz. Und wir glauben, dass ein Großteil dieser positiven Aspekte der Abstinenz unserer Gruppenbesucher auf die vielseitigen Hilfen und die Erfahrungen unserer langjährig „trockenen" Vereinsmitglieder zurückzuführen sind.

Unter den Grundsatz „Kranke helfen Kranken" möchte ich auch die zahlreichen Aktionen unserer Mitglieder und Besucher fassen, die in unserem Verein den Gedanken der „Nachbarschaftshilfe" aufgreifen. Früher für viele von uns eine Selbstverständlichkeit, ist sie heutzutage in unserer Gesellschaft nur noch selten anzutreffen. In unserem Verein findet man das immer noch, sei es nun als Mitfahrgelegenheit, bei Umzugshilfen, beim Erstellen von Schriftstücken z.B. für Behörden, bei Recherchen im Internet oder persönlichen Hilfen in schwierigen Lebenslagen.

Ich möchte das hier ganz besonders betonen: Auch für diese „kleinen Dinge", die für den betroffenen Einzelnen mitunter zu „ganz Großen" werden können, machen wir als uns als Verein stark, dafür machen wir diese ehrenamtliche Arbeit, nehmen wir oft erhebliche Mühen und Anstrengungen in Kauf, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können und die mit Geld auch nicht aufzuwiegen sind.

An dieser Stelle möchte ich Euch einen – natürlich unvollständigen – Überblick darüber geben, was seit der letzten Jahreshauptversammlung im November 2016 bis zum heutigen Tag in unserem Verein SSHG Zwickau e.V. gelaufen ist:

- 08. Februar 2017 – Vorstellung des Vereins und seiner Arbeit in der Abteilung B6 im Fachklinikum Rodewisch
- 22. April 2017 – Ehemaligentreffen von Patienten des Asklepios-Klinikums im Landgasthof Wiesen
- 2. – 9. Mai 2017 - Drei Mitglieder unseres Vereins unterstützen die Kinder- und Jugendarbeit beim Alkohol-Parcours in Crimmitschau
- 12. – 14. Mai 2017: Tagung der Gesellschaft gegen Alkohol- und Drogengefahren (GAD) in Dresden, zentrales Thema der Veranstaltung: "Kinder in suchtkranken Familien"; fünf Vereinsmitglieder vertreten die SSHG, Herr Kunze ist wiederum als Moderator eingesetzt
- 10. Juni 2017 – Besuch und Erfahrungsaustausch mit der Selbsthilfegruppe für Suchtkranke in Adorf/Vogtland. Zu dieser Gruppe besteht seit vielen Jahren eine enge Partnerschaftsbeziehung
- 17. Juni 2017 – Umzug des Vereins in die neuen Räumlichkeiten in der Walther-Rathenau-Straße 2. In Vorbereitung dieses Umzugs wurden diese durch Vereinsmitglieder in Eigenleistung renoviert, u.a. musste die komplette Kücheneinrichtung neu konzipiert und gestaltet werden
23. - 25. Juli 2017: vereinsinterne Fortbildungsmaßnahme des SSHG Zwickau e.V. im DORINT Hotel Dresden, diesmal unter dem Motto „Co-Abhängigkeit" und „Beziehungssucht". 18 Gruppensprecher/innen, Vorstandmitglieder und andere nahmen an der Veranstaltung teil.
- 6. September 2017 – Zweite Vorstellung unseres Vereins im Fachklinikum Rodewisch
- 28. Oktober 2017 – Teilnahme am 17 Selbsthilfetag im Bürgersaal des Zwickauer Rathauses unter dem Motto „Vielfalt in der Selbsthilfe"
- 4. September 2017 - Ehemaligentreff im Landgasthof Wiesenburg
- 11. November 2017 – 9. Konferenz der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren (SLS) unter dem Motto „Suchtselbsthilfe gewusst wie" im Seminar- und Tagungszentrum der AOK PLUS in Waldheim – wie jedes Jahr sind auch wir mit Vereinsvertretern vor Ort dabei.
- 3. – 5. November 2017 - Teilnahme von drei Vereinsvertretern am 26. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. in Berlin, Thema der Veranstaltung „Die dunkle Seite der Sucht".
- 11. November 2017 - Konferenz der Suchtselbsthilfe in Sachsen „Suchtselbsthilfe - wichtiger Partner im Netzwerk der regionalen Suchthilfe". Zwei Vertreter des Vereins sind mit dabei.
- 2. Dezember 2012 – Gesamtgruppentreffen der KISS Zwickau

Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und lässt sich ohne weiteres fortsetzen. Was in unseren Gruppen in Zwickau, Werdau, Crimmitschau und Crinitzberg sonst noch gelaufen ist und hier nicht genannt werden konnte, wisst ihr alle bestimmt besser als wir vom Vorstand.

Das zurückliegende Jahr war mit Sicherheit eines, das wir so schnell nicht vergessen werden. Haben wir doch noch im Spätherbst mit viel Aufwand – und den entsprechenden Kosten – in unserem ehemaligen Domizil in der Walther-Rathenau-Straße 6 den kompletten Fußboden der Vereinsräume neugestaltet. Die Kündigung der bisherigen Räume durch den Vermieter BTZ hat uns dann ziemlich überrascht und vor das Problem gestellt, schnell einen geeigneten Ersatz zu finden, mit dem alle Beteiligten zufrieden sein konnten. Umso erfreulicher, dass wir in unmittelbarer Nähe auf ebensolche Räumlichkeiten finden konnten. So haben sich für unsere Mitglieder, Gruppenbesucher und Gäste nicht allzu viele Veränderungen ergeben.

Ich denke, dieser Umzug hat – neben der nunmehr auch äußerlich vollzogenen – endgültigen Trennung von den Profis des Beratungs- und Therapiezentrums einen weiteren positiven Aspekt gebracht: Wir verfügen nun erstmals in der Vereinsgeschichte über einen „Nichtraucher-Raum", und dies wird konsequent auch so bleiben. Unsere Gruppenmitglieder sehen das als wirkliche Verbesserung an.

Wer sich heute in den neuen Vereinsräumen umschaut, wird feststellen, dass sich vieles zum Positiven hin verändert hat. Unsere Gemeinschaftsküche ist ziemlich gut ausgestattet mit Mehrplattenherd und Geschirrspülautomat, was die Möglichkeiten beispielsweise für unser Kontakt-Cafe wesentlich verbessert hat. Die Gruppenräume selbst sind mit neuen Tischen und Stühlen ausgestattet, auch die Beleuchtung entspricht nun modernen Ansprüchen. Unser Dank gilt hier allen unseren ehrenamtlichen Helfern, die mit viel Mühe und Zeitaufwand dieses schöne Ambiente geschaffen haben.

Liebe Freunde,

die zeitaufwendige, oft nervenaufreibende Arbeit zahlreicher, auch der hier nicht genannten Vereinsmitglieder, macht sich sprichwörtlich „bezahlt". Das hohe Ansehen, das sich die SSHG Zwickau in der Stadt und im Landkreis Zwickau, bei den örtlichen und überregionalen Kassen, aber auch im Regierungsbezirk erworben hat, spiegelt das wider. Die Bereitschaft vieler Mitglieder, sich für die Zukunft der Suchtselbsthilfe in und um Zwickau stark zu machen und auch selbst Verantwortung dafür zu übernehmen, spricht für sich.

Liebe Vereinsmitglieder und Gäste, zum Ende dieses Rechenschaftsberichtes möchte ich mich im Namen des ganzen Vorstands bei allen Beteiligten, die im Interesse der Suchtkranken der Region Zwickau tätig waren, es sind und auch bleiben wollen, nochmals ganz herzlich bedanken. Ich möchte Euch allen Zuversicht, Kraft, Gesundheit und vor allem natürlich Abstinenz für die kommenden Aufgaben wünschen. All dies wünsche ich auch Euren Familien und Euren Angehörigen, denn ohne deren Mithilfe wäre das sicher alles nicht zu stemmen.

Danke für eure Aufmerksamkeit

Dieser Artikel wurde bereits 960 mal angesehen.

.

xxnoxx_zaehler