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2013

 

Tag der offenen Tür zum 10jährigen Bestehen des SSHG Zwickau e. V.

Am 14. September 2013 fand in unserem Verein anlässlich des 10jährigen Bestehens ein Tag der offenen Tür mit Sommerfest statt. 10 Jahre Verein Suchtselbsthilfegruppen Zwickau, das bedeutet, 10 Jahre erfolgreiche Arbeit im Kampf gegen die Sucht. Es war nicht immer leicht, aber es hat sich gelohnt. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, suchtkranken Menschen zu helfen, sie wieder auf einen vernünftigen Weg zu bringen.Sehr vielen ist es gelungen, wenn auch nicht gleich beim ersten Mal. Bei uns zählt der Mensch, aber auch die Hintergründe, die ihn zur Flasche oder zu Drogen greifen ließen. Und garantiert nicht ein einziger hatte jemals in seinem Leben vor, suchtkrank zu werden. Auch mit Hilfe der Vereinsmitglieder ist es gelungen, diesen Menschen wieder eine Zukunft zu bieten, die das Leben ohne Suchtmittel erträglich macht.

Um diesen Tag zu etwas Besonderen werden zu lassen, gaben sich unsere vielen Ehrenamtlichen im Vorfeld große Mühe mit Einladungen verschicken, Bekanntgabe in den Medien, Kuchen backen, Organisation und Vorbereitung des Festes und eine liebevolle Ausgestaltung der Vereinsräume und des Gartens. Und es hat sich gelohnt!

Viele Vereinsmitglieder und Gäste waren gekommen, um gemeinsam auf die letzten Jahre zurückzublicken und in die Zukunft zu schauen. Ganz besonders hat uns gefreut, dass Ärzte vom Klinikum Wiesen und Mitarbeiter der Beratungsstelle sowie der KISS unsere Einladung annahmen.
Kurz nach 15.00 Uhr begrü&szl;te unser Vereinsvorsitzender Andreas Kunze alle Besucher und gab einen Überblick von der Gründung des Vereins 2003 bis in die Gegenwart. Viel ist passiert, aber unser Ziel haben wir nie aus den Augen verloren. Sehr anschaulich, verglichen mit einem Zug, wo es Lokführer, Zugbegleiter und Mitfahrer gibt, ließ er unser Vereinsleben Revue passieren. Beim Zuhören derer, die von Anfang an „mitgefahren" sind, blieb die Frage: „Wo ist die Zeit geblieben?"

Es gab Beifall für den sehr interessanten Vortrag voller Erinnerungen und Blumen für den Vorstand, unsere „Lokführer", für ihre hervorragende, sehr zeitintensive Arbeit zum Wohle des Vereins und aller Mitglieder und Gäste.
Bei Kaffee und Kuchen gab es viel zu erzählen. Die Kinder hatten Spaß beim Spielen und halfen u. a. mit, Roster zu braten und zu servieren.

Wir bedanken uns bei allen unseren Gästen für die vielen Glückwünsche und die große Resonanz, die uns entgegengebracht wurde. Dies ermutigt uns, in gewohnter Weise unsere ehrenamtliche Arbeit fortzusetzen.
Ebenso Dank unseren freiwilligen Helfern für Ihren Einsatz zum Gelingen dieses Tages.

Der Vorstand des SSHG Zwickau e. V.

 


 

 

Gesamttreffen der KISS am 16.2.2013

Zum Thema „Der Mensch – seine Biografie und Handlungsweisen" referierte Frau Prof. Mitzscherlich vor den Vertretern aus verschiedenen Selbsthilfegruppen.
Es sollte die Frage geklärt werden, inwieweit unsere Biografie unser Verhalten beeinflusst. Abhängig vom Verhalten der Menschen kann die Religion oder auch der Berufsstand sein. Dies wird von den Vorfahren weitervererbt. Auch Gene könnten dafür verantwortlich gemacht werden.

Was beeinflusst die Lebensgeschichte?

Dabei spielen Beziehungen, Erlebnisse und auch die Zeit eine Rolle. Es ist nicht wichtig, was passiert ist, sondern was wir daraus machen.

Von der Geburt bis zum Tod erlebt ein Mensch in der Regel mehrere Phasen – vom Säugling bis zum alten Menschen. Trotz der ansteigenden Entwicklung ein Leben lang kommt es mit zunehmenden Alter zum körperlichen und geistigen Abbau.
Eine Biografie ist gelernt. Nur wenn ich weiß, wer ich bin, weiß ich, wer zu mir passt!
Am Modell „Erikson" erläuterte Frau Mitzscherlich die verschiedenen Phasen, und was diese für einen Einfluss auf unsere Lebensgeschichte haben.

Urvertrauen lernen wir als Säuglinge bis zu einem Alter von etwa drei Jahren. Hierbei ist die Mutter-Kind-Beziehung maßgebend.
Zwischen drei und fünf Jahren wird die Autonomie gelernt, auch die Fähigkeit, „nein" zu sagen. Die Familie nimmt Einfluss auf das, was wir sind. Man hat einen Schutzraum und braucht noch keine Verantwortung zu übernehmen. Der Grundstein der Persönlichkeitsprägung wird gelegt und man geht (oder auch nicht)Bindungen ein. Urvertrauen oder Urmisstrauen beeinflussen, wie wir sozial auf andere zugehen können.

Etwas lernen wollen, der Werksinn beginnt mit dem Eintritt ins Schulalter. Der Schutz der Familie ist nicht mehr allgegenwärtig. Der Mensch wird auch in der Schule geprägt.
Wer bin ich eigentlich? Die eigene Identität zu finden beginnt mit der Pubertät. Entscheidungen werden nun vorwiegend allein getroffen und Verantwortung übernommen, wobei die Konsequenzen nicht immer absehbar sind.
Der Identität folgt die Intimität und somit engere Beziehungen zu anderen. Wer sind meine Freunde? Welchen Beruf möchte ich ausüben? Möchte ich eine Partnerschaft eingehen? Wie verbringe ich meine Freizeit? Dabei ist es in unserer Überflussgesellschaft schwierig, sich festzulegen.

Generatinität bedeutet erwachsen sein. Der Wunsch, etwas von sich selbst weitergeben zu können, an kommende Generationen zu denken, Kinder zu bekommen spielt dabei eine wichtige Rolle. Vermehrt kommen jetzt Fragen nach dem Sinn des Lebens. Eins steht fest: Man kann das Leben nicht kontrollieren. Was ist der Sinn eines Lebens? Optimal wäre eine „gute Geschichte", mein Leben war so okay. Diese Frage bleibt meist bis zum Schluss.

Ein roter Faden zieht sich durch jede Lebensgeschichte. Was ist mein roter Faden? Selbstbestimmungsrecht, Selbsteinschätzung, Normen, Werte gehören dazu.
Die biografischen Erfahrungen der ersten fünf Lebensjahre sind maßgebend für die Verletzbarkeit (Vulnerabilität) und haben Einfluss, wie Lebenserfahrungen verarbeitet werden (Z. B. Trauma durch Missbrauch, schlimmste physische und psychische Erlebnisse. Hierbei müssen die Täter nicht automatisch „böse" sein.

Dem gegenüber steht die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) die man durch Kraft und Stärke für sich selbst gelernt hat. Das Urvertrauen ist dafür eine gute Basis.
Kritische Lebensereignisse führen zu Veränderungen und können zur Belastung werden. Sie müssen gut bewältigt werden.
Die Familiengeschichte bestimmt auch die persönliche Geschichte. (Glaubwürdigkeit, Authentität, Geschichte nicht richtig erzählt, Emotionen spüren, Trauma „vererbt", Epigenetik) Grundhaltung – lernen was gut tut, nicht gut tut. Man kann nicht alles können. Was ist entscheidend für mich, positiv wie negativ?
Eine Psychotherapie verändert nicht die Vergangenheit. Fragen werden gestellt: Wie fühle ich mich? Gibt es ein passendes Leben für dieses Gefühl? Kann ich auch anders? Hierbei muss man seine Lebensgeschichte ehrlich erzählen. Die Lebensgeschichte ist auch eine Lerngeschichte, man kann aus Fehlern lernen. Reden!

Nach diesem interessanten Vortrag kam es zur lebhaften Diskussion.
Wem kann ich mich noch offenbaren, outen? Dies hängt von der Moralvorstellung jedes Einzelnen ab. Tabuthemen haben sich in der heutigen Zeit verschoben, nur keine Schwächen zeigen!
Bei Kriegskindern war der Lebenserhaltungstrieb biologisch bedingt, denn kollektives Schicksal verbindet und gibt soziale Sicherheit.
Das Leben ist eine Beziehungsgeschichte, man kann es vergleichen mit Orten, Dingen die schön und wichtig waren. Es ist wichtig, Verbindungen aufrecht zu erhalten (z. B. SHG, Familie, Freunde).
Anerkennung von Verschiedenheit ist die neue Basis für unsere Gemeinschaft.

Es war eine kurzweilige Veranstaltung mit sicherlich Redebedarf in den einzelnen Selbsthilfegruppen.

Zum Schluss bedankte sich Frau Bachmann bei Frau Prof. Mitzscherlich und allen Anwesenden. Einige Termine gab sie noch bekannt und die Nachricht, dass Frau Wetzel in die KISS eingearbeitet wird und sie im Laufe des Jahres in den Ruhestand gehen wird.

 

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